Sonderbeitrag: Für die Wissenschaft

Die Vorstellung, dass mikroskopisch kleine Zellen, die sich zu komplexen Netzwerken im Gehirn zusammenschließen, für das Handeln, Denken und Fühlen verantwortlich sind, fasziniert mich seit meiner Kindheit. Sie bildet die Basis für mein Interesse an der Forschung und meine Motivation.

Seit April 2019 forsche ich im Labor von Prof. Javier Eduardo Stern im Center for Neuroinflammation and Cardiometabolic Diseases an der Georgia State University (Atlanta) an Herzinfarkt und dessen Folgen fürs Gehirn. Diese Forschung wird mir durch ein Postdoktorandenstipendium der DFG ermöglicht.

Dreidimensionale Rekonstruktion von Gehirnzellen

Vor kurzem haben wir basierend auf der IMARIS (Bitplane, Oxford Instruments) Software ein Tool entwickelt, welches uns ermöglicht eine drei-dimensionale Rekonstruktion von Gehirnzellen durchzuführen, welche auf deren immunohistochemischen Färbung mittels Antikörpern basiert. Wir haben diese neuartige Methode sowohl für Mikroglia, den sogenannten Immunzellen des Gehirns, als auch für Astrozyten, welche viele wichtige Funktionen haben und Neurone bei ihrer Arbeit unterstützen, durchgeführt und sehr interessante Erkenntnisse gewonnen. So haben wir zum Beispiel festgestellt, dass beide Zelltypen nach einem Herzinfarkt drastische morphologische Veränderungen durchlaufen, welche maßgeblich an der darauffolgenden Neuroinflammation im Gehirn beteiligt sind. Wir vermuten, dass diese Veränderungen den kognitiven und emotionalen Beeinträchtigungen zugrunde liegen könnten, welche ein Großteil der Patienten mit Herzinfarkt betrifft. Die Bilder sind Teil unserer aktuellen Studie, die zurzeit im ‘Journal of Neuroinflammation’ von externen Experten begutachtet wird.

Die grundlegende Methode für die Rekonstruktion von Mikroglia angefärbt durch IBA-1

Astrozyten, angefärbt durch GFAP (rot) und Glutamine Synthetase (grün), sowohl als die morphologischen Veränderungen von Mikroglia nach einem Herzinfarkt

Gut zu erkennen: ‘Aktivierte‘ Mikroglia ziehen ihre normalerweise komplexen Prozesse zurück, die Zellkörper schwellen an und die Mikroglia werden insgesamt deutlich kompakter.

Wir Wissenschaftler müssen zusammenhalten

Es ist mir ein persönliches Anliegen die DFG bei ihrer Kampagne #fürdasWissen zu unterstützen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Pharmaunternehmen Lobbyismus betreiben und Studien regelrecht ‘kaufen‘, und in der Fake-News über das Corona-Virus, Heilmittel oder Impfstoffe den Ruf von Wissenschaftlern weltweit verunglimpfen und die Bevölkerung verunsichern, müssen wir Wissenschaftler zusammenhalten. Ein transparenter und offener Austausch von Wissen kann nur dann stattfinden, wenn auf sämtlichen Ebenen zusammengearbeitet wird und die Herausforderungen einer wissenschaftlichen Karriere für die Öffentlichkeit nachvollziehbar präsentiert wird. Das Leben von Wissenschaftlern / Postdocs weltweit wird maßgeblich durch Publikationen und Fördermittel bestimmt, was zu teilweise enormem Druck führen kann und viele Wissenschaftler dazu verleitet, Studien zu fälschen, Daten zurückzuhalten oder zu manipulieren. Ich persönlich träume von einer Wissenschaft in der der Impact Factor von Fachzeitschriften entweder überhaupt keine, oder zumindest nur eine untergeordnete Rolle spielt und negative Studien viel leichter zu publizieren sind. Des Weiteren muss die Reproduzierbarkeit von wissenschaftlichen Daten einen viel höheren Stellenwert bekommen, als das bislang der Fall war. Allerdings, gibt es viele positive Entwicklungen in den letzten Jahren zu beobachten, wie Open-Access Journals, transparente Reviews und Kritik am Impact Factor, sodass ich der Zukunft recht positiv entgegenblicke.

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Verstanden

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